Modetrends in der Werbeartikelbranche
„Trends müssen kommerziell übersetzt werden“

Interview mit Thomas Früh, Head of Purchase von Daiber
Nichts ist so wechselhaft wie die Mode. Was ist derzeit angesagt, und wie gelingt es, aktuelle Fashiontrends im Promo- und Workwearbereich aufzugreifen? Darüber sprach HAPTICA® Magazin mit Thomas Früh, Chefeinkäufer beim textilen Vollsortimenter Daiber. ((Lead))
Welche aktuellen Fashiontrends beobachten Sie in der Textilbranche im Hinblick auf Farben, Schnitte, Funktionalitäten oder Tragekomfort?
Thomas Früh: Beobachtet man die aktuellen Fashion Shows für Herbst/Winter 2026, so erkennt man, dass die Mode wieder eleganter und opulenter wird. Man sieht dunkle und edle Farbkombinationen, gepaart mit feinen Stoffen. Die 1930er erhalten ein Revival, und Streetwear wird durch Eleganz abgelöst. Tragekomfort spielt hierbei weiterhin eine große Rolle, was zum einen über die Schnitte, zum anderen aber auch über die Materialien gelöst wird. Funktionalität ist dabei speziell im Outdoor-, Sport- und Workwearbereich wichtig.
Welche dieser Trends lassen sich auf den Corporate Fashion-Markt übertragen und finden sich neu auch in Ihrem Sortiment?
Es geht darum, Trends zu interpretieren und herauszufinden, welche sich auch längerfristig in der Corporate Fashion etablieren können. Trends müssen kommerziell übersetzt werden – das betrifft Materialien, Formen und Farben gleichermaßen. Wir orientieren uns weniger an den Modetrends der High Fashion-Designer, sondern vielmehr an den Modetrends, die bereits kommerziell abgewandelt und umgesetzt worden sind. So finden sich in unseren aktuellen Neuheiten einige innovative Materialien, moderne Silhouetten und kommerziell umgesetzte Trendfarben wie Smoky-Green, Milky-Blue, Sandstone und Deep-Purple. Ferner haben wir das Thema Oversized aufgegriffen.
Inwieweit können Fashiontrends überhaupt stilbildend für den Bereich der Promotional Textiles sein – schließlich spielen hier ja Veredelbarkeit und hohe Farbvielfalt eine wesentlich größere Rolle, auch sind die Laufzeiten ja ganz andere.
Wir interpretieren Trends, um einzelne Elemente davon umzusetzen. Veredelbarkeit und Farbvielfalt müssen natürlich berücksichtigt werden, stellen erst einmal aber keinen Widerspruch dar. Wichtig ist, neue Form-, Farb- und Materialimpulse, die das Potenzial haben, sich auch längerfristig zu etablieren, zu übernehmen, um neben den klassischen Promotionartikeln und -farben auch moderne Alternativen anbieten zu können. Bis diese sich im Werbetextilienmarkt etablieren, ist der eigentliche Trend schon wieder vorbei. Darum geht es hier immer um die kommerzielle Interpretation, die sich dann auch längerfristig etablieren kann. Da sich Projekte oft wiederholen und Artikel nachgekauft werden, macht es keinen Sinn, einen reinen Saisongedanken aufzugreifen.
Wie gelingt es Ihnen, modische Designs mit den Anforderungen an Funktionalität und Werbewirksamkeit, Farbvielfalt und v.a. Individualisierbarkeit im Promotional Fashion-Segment zu verbinden?
Die entsprechenden Anforderungen müssen bei der Kollektionsentwicklung berücksichtigt und umgesetzt werden. Das stellt aber kein Problem dar, da diese Elemente gut eingebaut werden können. Formen, Farb- und Materialkombinationen müssen so aufgebaut werden, dass an den entscheidenden Stellen ausreichend Werbefläche bleibt und die Modelle gut und entsprechend der jeweiligen CI-Anforderungen veredelt werden können. Bezüglich der Farben geht es um einen Mix aus neuen und klassischen Promotionfarben.

Welche Trends der letzten Jahre sind immer noch aktuell?
Trends wie Retrostyle oder Slacker Chic werden in irgendeiner Form immer wieder interpretiert und aufgegriffen. Derzeit sind, wie gesagt, die 1930er Jahre wieder aktuell, Slacker Chic wird durch neue Silhouetten und Formen weiterentwickelt. Das funktioniert immer wieder und wiederholt sich auch in der Fashion immer wieder. Modetrends, die sich kommerziell etabliert haben, funktionieren auch in der Promotional Wear sehr gut. Als Beispiele sehe ich hier das Thema Oversized oder auch Modelle wie College- oder Bomber-Jacken. Hier werden Trends zu Evergreens, die immer wieder eine Rolle spielen.
Seit einigen Jahren wird auch Workwear immer modischer. Angestellte tragen ihre Arbeitskleidung auch in der Freizeit und machen so Werbung für ihren Arbeitgeber. Setzt sich diese Entwicklung weiter fort?
Auch im Workwear-Bereich ist ein klarer Trend zu mehr Modernität und weg von den klassischen Workwear-Modellen und -Farben zu erkennen. Hier werden immer mehr Einflüsse aus der Freizeit- und Outdoorbekleidung umgesetzt. Das betrifft Formen, Farben und auch Materialien. Komfort durch Stretch, weichere Materialien und Mut zu neuen Farben sind als deutlicher Trend zu erkennen und werden die Workwear generell vielseitiger machen. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit wird hierbei fließend.
Welche Neuerungen gibt es im Bereich der Materialitäten?
Neuerungen sehen wir aktuell primär in der Haptik durch weichere Materialien und Komfort durch Stretch. Das Thema Nachhaltigkeit durch Bio-Baumwolle oder durch recycelte Materialien im Chemiefaserbereich gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Die Herausforderung ist hierbei, speziell für den Workwear-Bereich, recycelte Materialien zu entwickeln, die den Anforderungen gerecht werden und vergleichbare Echtheitswerte erreichen wie konventionelle Qualitäten.
Welche Materialien und Stoffe setzen Sie aktuell ein, um modische und gleichzeitig langlebige und nachhaltige Kleidung zu produzieren?
Wir bewegen uns hier im Bereich der Standardqualitäten wie Baumwolle, Polyester, Polyamid und ihre entsprechenden Mischungen. Wenn immer möglich, berücksichtigen wir den Nachhaltigkeitsaspekt und setzen auf Bio, recycelte Materialien sowie nachhaltige Füllmaterialien bei Outdoorjacken. Wichtig ist uns hierbei, dies mit entsprechenden Zertifikaten zu belegen.
Welche Rolle spielen Recyclingmaterialien oder Upcycling-Konzepte?
Recyclingmaterialien spielen eine sehr große Rolle. Wir versuchen dies bei Neuentwicklungen immer mehr zu berücksichtigen. Wichtig bleibt hier neben den Materialeigenschaften aber auch der Preisaspekt. Leider sind noch immer viele Kunden nicht dazu bereit, für Nachhaltigkeit mehr Geld auszugeben. Das Thema Upcycling ist ebenfalls sehr spannend, und wir analysieren genau, in welchen Bereichen wir das für uns sinnhaft aufgreifen können.
Wie wird sich die Textilbranche in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Fashiontrends zukünftig weiterentwickeln?
Das Thema Nachhaltigkeit birgt noch viele Möglichkeiten. Hierbei geht es neben den Materialien auch um ressourcenschonendere Produktionen, Einhaltung von Sozialstandards sowie umweltbewusstere Färbe- und Ausrüstverfahren. Die Textilbranche hat hier sicher an ihrem generellen Image zu arbeiten. Es wird aber immer ein Spagat bleiben, da der Kostendruck sehr hoch und der Preis am Ende leider noch immer wichtiger ist als die Nachhaltigkeit. Auch wenn die junge Generation uns alle zu mehr Nachhaltigkeit mahnt, endet auch dort die Konsequenz oft beim eigenen Geldbeutel.
Textilproduktionen stehen und entwickeln sich primär in Billiglohn- und Entwicklungsländern. Hier sind wir in der Verantwortung, auf die Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards zu bestehen, das Bewusstsein vor Ort zu entwickeln, zu schulen und auch nachzuhalten.
Im Bereich Promotional Wear hängt das Thema Nachhaltigkeit stark vom Einsatz der Ware und der Kundenstruktur ab. Bei großen Projekten und Ausschreibungen steht auch hier ganz klar der Preis im Vordergrund und hat eine größere Bedeutung als die Nachhaltigkeit. Unternehmen, die sich selbst intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen, schauen dagegen auch bei der Corporate Fashion bereits stärker auf den Aspekt der Nachhaltigkeit.
Mit Thomas Früh sprach Helen Lorenz.
Bildquelle: Daiber
Thomas Früh, Head of Purchase von Daiber





